Sergius Stepniak

Juli 1851 - Dezember 1859



In der guten alten russischen Tradition der Konspirativität, Geheimhaltung und Tarnung ist Sergius Stepniak ein nom de guerre, hinter dem sich der eigentliche Name Sergius Michailowitsch Krawtschinsky verbirgt. Krawtschinsky (1851–1895) war einer der ganz zentralen Akteure der revolutionären Bewegungen im Russland des 19. Jahrhunderts.


Geboren am 1. Juli 1851 als Sohn eines Militärarztes in dem in der heutigen Ukraine gelegenen Novy Starodub bleibt er nach der Militärschule in Moskau und der Artillerieschule in Petersburg im Dienst und steigt bis zum Oberlieutenant auf. Beim Militär wird er durch Tezakowicz und Rogaczew, mit dem ihm eine enge Freundschaft verbindet, in die Kreise der Revolutionäre eingeführt.

Er verbringt Teile seiner Kindheit am Land bei den Bauern und seit dieser Zeit bestand eine tiefe Sympathie, die seine zuerst demokratischen und schliesslich revolutionären Einstellungen formte. 1874 wird er als verdächtig verhaftet, konnte aber beim Transport zum Gefängnis fliehen. Nun wird er mit einem gefälschten Pass Student am Forstinstitut in Petersburg und hier beginnt seine Agitation, zunächst unter den Bauern. Der weisse Schrecken der Regierung wütete gerade in Russland, und daher sah auch Stepniak den Terrorismus als das einzige geeignete Mittel der Wahl an. Und er beteiligte sich nun an vielen grossen Aktionen. So war er etwa federführend an der Befreiung seines Freundes Peter Kropotkin aus der Peter und Pauls-Festung in Petersburg beteiligt. Auch während dem Prozess der Hunderdreiundneunzig nimmt er an dem Versuch teil, Wolchowsky zu befreien. Schliesslich muss er 1877 Russland verlassen, um seine eigene Freiheit zu retten. Nach einem kurzen Aufenthalt in Genf schloss er sich der kleinen Rebellion in der italienischen Provinz Bevevento von Errico Malatesta an. Er kehrte 1878 nach Russland zurück, wo gerade der Prozess gegen Vera Sassulitsch am Laufen war. Über den Chef der Geheimpolizei, Mecenzcew, war von der Bewegung das Todesurteil gefällt worden, und Stepniak tötete ihn am 16. August 1878 mit Dolchstossen auf offener Strasse in Petersburg. Nun befand sich Stepniak, auf dessen Festnahme ein hoher Preis ausgesetzt war, in unterschiedlichen Regionen Russlands und setzte seine Agitation weiter fort; so gab er etwa zusammen mit Nikolai Morozov und Olga Liubatovich die Zeitung der Narodniki, Land und Freiheit, heraus. Doch die Schlinge zog sich immer enger um seinen Hals, und so musste er Russland 1880 endgültig verlassen. Nach einem kurzen Aufenthalt in der gerade für russische Revolutionäre beliebten Schweiz kam er nach London. Hier beginnt für ihn eine friedlichere, aber unermüdliche Tätigkeit, und er beherrscht die englische Sprache bald perfekt. Er ist in den revolutionären Zirkeln zusammen mit seinen FreundInnen Louise Michel, Peter Kropotkin oder Errico Malatesta unterwegs. Es folgten zahlreiche Schriften, die sich immer um die russischen Zustände drehen und die alle den Zweck haben, die russische Revolution zu fördern. Zu seinem Œuvre zählen neben Das unterirdische Russland etwa auch Der russische Bauer oder Die Laufbahn eines Nihilisten. Stepniak blieb zeit seines Lebens agitierender Revolutionär. Am 23. Dezember 1895 kommt er durch eine vorbeifahrende Eisenbahn, die er übersah, in der Nähe seiner Wohnung um.


Das unterirdische Russland ist erstmals 1882 in englischer Sprache mit einem Vorwort von Peter Lawroff in London publiziert worden. In den nächsten beiden Jahren folgten Veröffentlichungen von Übersetzungen zuerst in Italien und dann in der Schweiz. Die von Max Trautner übersetzte schweizerische Ausgabe wurde 1884 in Bern herausgegeben und wird nun, 130 Jahre später, angepasst an unsere Schrift und Sprache, neu aufgelegt. Stepniaks erklärtes Ziel war es, Unterstützung für die revolutionäre Bewegung seines Landes ausserhalb von Russland zu finden und die Revolutionäre von anderswo über die Geschehnisse in Russland zu informieren. Schliesslich erschien 1893 in Russland eine von ihm selbst angefertigte Übersetzung, die unter den jungen russischen Revolutionären extrem populär wurde. Sein Buch wird heute in Russland nach wie vor als Klassiker der Narodniki-Bewegung betrachtet.

Bücher:

Das unterirdische Russland von Sergius Stepniak Das unterirdische Russland von Sergius Stepniak