Revolutionäre Theorie und historische Zyklen

barrikade.info, 3. 7. 2018



Das Buch beschreibt die Geschichte der kommunistischen und anarchistischen Bewegungen im Zusammenhang mit Perioden von revolutionären Offensiven und ihren Defensiven. Das Buch ist eine kleine Geschichte zur Theoriebildung, welches die verschiedensten kommunistischen und anarchistischen theoretischen Strömungen mit ihren historischen Realitäten verknüpft. Ein wirklich aufschlussreiches und empfehlenswertes Buch mit einem Rundumschlag durch die Geschichte der kommunistischen und anarchistischen Arbeiter*innenbewegung.

Wie bewahren wir uns als Revolutionär*innen jeglicher Couleur die Hartnäckigkeit an unseren Theorien und Praxen festzuhalten, in Zeiten einer scheinbar übermächtigen Konterrevolution, die selbst unsere möglichen Verbündeten zu Reformist*innen und "Realist*innen" werden lässt? Doch auch in konterrevolutionären Zeiten bestehen die Revolutionär*innen fort. Es gibt wirklich keinen Ausweg.

Dazu ein Zitat aus dem Testament von Gustav Lefrançais aus dem Buch:

„Ich sterbe immer überzeugter, dass die sozialen Ideen, welche ich mein ganzes Leben kundgetan und für welche ich, so gut ich konnte, gekämpft habe, richtig und rein sind. Ich sterbe immer überzeugter, dass die Gesellschaft, inmitten welcher ich gelebt habe, nur die zynischste und ungeheuerlichste aller Räubereien ist. Ich sterbe, während ich die tiefste Verachtung aller politischen Parteien kundtue, mögen sie sozialistisch sein, ich habe diese Parteien immer nur als Gruppierungen einfacher Naiver betrachtet, welche von scham- und skrupellosen Karrieristen angeführt werden.“

Jenseits jeglicher Dogmatik befasst sich das Buch "Revolutionäre Theorie und historische Zyklen" von Jean-Yves Bériou, ursprünglich als Nachwort zu "Der Sozialismus in Gefahr" von Ferdinand Domela Nieuwenhuis erschienen, mit dem Verhältnis zwischen "Anarchismus" und "Marxismus". Der Autor analysiert die kommunistische Bewegung als wirkliche Bewegung, den Anarchismus als Refugium für Revolutionär*innen zwischen 1875 und 1905 und gibt dabei einen sehr vielschichtigen Überblick über die Arbeiter*innenbewegung zwischen 1848 und 1914.

Jean-Yves Bériou war in den 1970er Jahren an der kommunistischen Zeitschrift "Le Voyou" beteiligt, die damals wie "Négation", "Intervention communiste" usw. Teil einer intensiven theoretischen Diskussion war.

Abschliessend bleibt eigentlich nur noch ein Zitat aus dem Buch festzuhalten:
"Das Ende des Kapitalismus ist gleichbedeutend mit dem Ende der Demokratie, dem Ende der Politik und ihres äussersten Inhalts: des Spektakels."



Rezensiert von: Anonym
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