Louise Michel. Die Anarchistin und die Menschenfresser

Frauen*solidarität, Nr. 144, 2/18



„Man hat am Ende dieses Buches ein bisschen weniger Fortschrittsstolz und ein wenig mehr Zukunftshoffnung“, schreibt Ruth Klüger im Vorwort zum biografisch-historischen Roman über die französische Revolutionärin Louise Michel, den die feministische österreichische Autorin Eva Geber vorgelegt hat. Klüger bezieht sich dabei vor allem auf das, was Michel zum Entsetzen ihrer Mitgefangenen in der pazifischen Verbannung getan hat, nämlich Kontakt zu den Einheimischen aufzunehmen.

Aber von vorne: Die französische Anarchistin Louise Michel (1830–1905) wuchs bei den betuchten Großeltern auf, die sie davor bewahrten, mit 13 Jahren verheiratet zu werden. So konnte sie eigene Entscheidungen treffen. Sie wurde Lehrerin, veröffentlichte erste Gedichte, wurde wegen Majestätsbeleidigung abgemahnt, zog nach Paris, schloss sich republikanischen Kreisen an – und der Rest ist Geschichte. Louise Michel wurde zur Ikone der Pariser Kommune von 1871 und dafür zu lebenslanger Verbannung auf der von Frankreich (bis heute; für November 2018 ist ein Unabhängigkeitsreferendum geplant) kolonisierten pazifischen Inselgruppe Neukaledonien verurteilt. Im Roman blickt sie als 75-jährige, vorzeitig Entlassene auf ein konsequent im Dienste des Anarchismus geführtes Leben zurück, das sie am Ende noch nach Algerien führte, einem weiteren Brennpunkt des kolonialistischen Frankreich: „Ich hatte gleich zu Anfang präzisiert, dass ich mich nicht auf eine zivilisatorische Mission begäbe, sondern auf eine emanzipatorische.“ Mission erfüllt!



Rezensiert von: Sylvia Köchl