Louise Michel. Die Anarchistin und die Menschenfresser.

Die Alternative, 05/18



Der Typus der kämpfenden Frau ist mir noch gut in Erinnerung. Eva Geber beschäftigt sich seit jeher mit bedeutenden Frauen und schreibt somit ein Stück Frauengeschichte.

Auch im aktuellen Buch bleiben wir in Frankreich: Eine immens wichtige Person, die von März bis Mai 1871 in der Kommune kämpfte, geriet fast in Vergessenheit: Louise Michel (1830-1905). Herausgekommen ist ein biographischer Roman, in dem Eva Geber in fiktiven Dialogen Louise Michel selbst zu Wort kommen lässt, ihr eine Stimme verleiht.

Geboren 1830, wuchs sie bei den Großeltern in einem liberalen Umfeld auf, in dem Philosophen der Aufklärung wie J.J. Rosseau und Voltaire zur allabendlichen Lektüre gehörten. Dass sie einer Eule, die sie beobachtet hatte, den Namen Olymp de Gouges verpasste, verwundert nicht. Anders als ihre Mutter und die beiden Schwestern, die von Scheitel bis zur Sohle ein Bild der Reinheit (S. 28) boten, verspürte Louise den Drang nach GEstaltung, Veränderung und Revolution. Ihre Arbeit als Lehrerin brachte ihr nicht nur Ruhm, sondern einige Vorladungen wegen regierungsfeindlichen Äußerungen ein. Während des Kampfes in der Pariser Kommune wollte sie mit Gleichgesinnten endlich ihre Träume verwirklichen: Ende des Privateigentums, Schluss mit der Ausbeutung und Beendigung der weiblichen Arbeitslosigkeit. Wenn gegenwärtig der Ruf erklingt Gutes Leben für Alle, sind es Ideen und Ziele, für die Louise Michel damals kämpfte, dafür geächtet und auf die Insel Neukaledonien deportiert wurde. Dank Eva Geber sind unveröffentlichte Gedichte übersetzt sowie Schriftwechsel mit Victor Hugo zugänglich. 2009 erhielt die Autorin für ihre herausragenden Leistungen im feministischen Diskurs den Wiener Frauenpreis, 2013 wurde ihr für das Buch Der Typus der kämpfenden Frau der Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch verliehen.



Rezensiert von: Cornelia Stahl
Link: auge.or.at/publikationen/die-alternative-monatszeitschrift/