Aus dem Palais in die "Grauzone"

Die Presse



Buch. "Presse"-Redakteurin Sommerbauer und Fotograf Florian Rainer präsentieren eine Reise zwischen den Fronten in der Ostukraine.

Wien. Wie gelangt man in ein Kriegsgebiet? Kann man eine Frontlinie entlangfahren? Wie sieht der Alltag in der Ostukraine aus? Fragen wie diese beantworteten "Presse"-Außenpolitikredakteurin Jutta Sommerbauer und Fotograf Florian Rainer bei ihrer Buchpräsentation am Freitag im Wiener Volkskundemuseum.

Der Krieg im ostukrainishen Industriegebiet Donbas gilt nach mehr als vier Jahren Laufzeit bereits als vergessener Konflikt. Dass sich bei blendendem Wetter dennoch mehr als 80 Zuschauer in den barocken Räumlichkeiten des Gartenpalais Schönborn in der Laudongasse einfanden, stimmte die Veranstalter aber hoffnungsfroh. Der Leiter der Fotosammlung des Volkskundemuseums, Herbert Justnik, moderierte die Präsentation des Bild-Text-Bandes "Grauzone. Eine Reise zwischen den Fronten im Donbass" (Bahoe Books, wien), der aus der einjährigen Zusammenarbeit von Rainer und Sommerbauer entstanden ist. Rainer, der vor Jahren "einfach zu fotografieren anfing" und heute unter anderem für die "Presse am Sonntag" und das "Schaufenster" tätig ist, sprach über seinen Zugang zur Fotografie im Kriegsgebiet. Er wolle nicht die typischen Ansichten liefern, die plakativ Tod und Zerstörung zur Schau stellen.

Die Fotografien in "Grauzone" sind denn zurückhaltend und thematisieren den Konflikt eher indirekt. Sommerbauers Reportagen dagegen dokumentieren aus nächster Nähe menschliche Schicksale. Zwei Ebenen, die sich gut ergänzen, wie Gastgeber Justnik befand – und das Publikum zu einem Glas Wein in den Garten des Museums einlud.



Rezensiert von: (red.)