«Schlägereien, Verhaftungen und Prozesse» - Die Aktionsliga der Bauarbeiter in Genf

Syfo – Forschung und Bewegung, Nr. 7/2017



Wenn ich das nächste Mal gefragt werde, wie diese oder jene Veröffentlichung aussehen solle, dann werde ich auf das Buch von Alexandre Elsig - „Die Aktionsliga der Bauarbeiter – Der Anarchismus erobert die Genfer Baustellen der Zwischenkriegszeit“ (2017, Bahoe Books) verweisen.
Ich weiß nicht, warum so viele Tonnen verschwendetes Papier („Was tun wenn's klemmt“ 2014) oder Rechtschreibfehler auf Buchcovern („Die Revolution ist Alltagssprache“ 2014) sein mussten, aber wenn das nötig war, um jetzt endlich daraus gelernt zu haben, dann ist das oben genannte Buch sicher der richtige Wegweiser in eine ernstzunehmende Zukunft freiheitlicher Publizistik.


In dem Buch geht es um die Jahre zwischen 1920-1930 in Genf / Genève in der Schweiz. Hier verzeichnete die Aktionsliga der Bauarbeiter / Ligue d'Action du Batimênt, eine anarchistisch-syndikalistische Organisation, Siege wie Niederlagen gegen das Unternehmertum. Viele Fragen und wichtige Eckpunkte militanten syndikalistischen Klassenkampfes werden hierbei berührt: Stellung zu den Kommunisten, zum Staat und seiner Gesetzgebung, zur Frage des „Reformismus“, Stellung zu den Pseudo-Gewerkschaften der Politik und der Bourgeoisie, Arbeitslosenunterstützung, militanter Syndikalismus, Klerus, Anti-Faschismus und vieles mehr. Das Buch beschreibt auch Gründe für den Niedergang der Bewegung und beobachtet dabei aufmerksam die Strategien der bürgerlichen Klasse, besonders das Aufkommen der „Sozialpartnerschaft“ und des „Arbeitsfriedens“, die (meiner Meinung zu Recht) laut dem Autor einen großen Anteil am Niedergang syndikalistischer Organisationen trugen. Ferner wird die Problematik eines vielleicht nicht immer anarchistischen Führertums, verkörpert in der Person von Lucien Tronchet (1902 – 1982, ein charismatischer Genosse, der später in die Sozialdemokratie abwanderte) wird vor dem Spiegel der Geschichte beleuchtet. Ein dritter Schwerpunkt ist die Hervorhebung der Rolle der Solidarität im militanten Arbeitskampf, hierzu ein schönes Zitat:


«Es war schon unverschämt von mir zu sagen: 'Nein, ich bin nicht einverstanden, das ist nicht genug [Lohn].' Ich denke, dass man sich, um es sagen zu können, nicht alleine fühlen sollte. Es ist diese Brüderlichkeit, die es uns erlaubt hat, fast unmögliche Dinge zu tun.»
Gustave Berger, 1911 – 1999


Neben diesen Stärken des Buches wäre sicherlich noch ein wenig mehr Fazit im Hinblick auf die Möglichkeiten eines syndikalistischen Kampfes heute möglich gewesen, wenngleich man dies beim Lesen auch nicht als Mangel wahrnimmt.


Das Buch ist ca. 22x15cm elegant und in gebundener Form in meine Hände gelangt. Das Cover ist einfach hervorragend – ein hochauflösendes, historisches Bild von Arbeitern im Streik zieht sich komplett über die Fläche des gesamten Deckels – darüber in transparentem Rot ein Balken, auf dem, in sich gut abhebendem Weiß, Titel und Autor vermerkt sind. Innen drin findet man einen Satzspiegel mit angenehm viel Raum, Unmengen von gut auflösenden Abbildungen und erklärenden Fußnoten. Kolumnentitel helfen bei der Orientierung, knappe, exakte Kapitel runden die Struktur des Buches ab. Ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Namensregister beenden den Band.


Abschließend bleibt zu sagen, dass das Buch sehr lehrreich ist, anschaulich und leicht zu lesen und in einer erfrischenden, kraftstrotzenden Form daher kommt. Dies ist unseren umsichtigen und disziplinierten Genossen des Bahoe-Verlags aus Wien geschuldet, die für diese Leistung die Verantwortung tragen.



Rezensiert von: Marcel Faust
Link: www.edition-av.de/buecher/syfo_2017.html