Verdad

Comickunst, 03.11.2017



„Verdad“ ist spanisch und heißt „Wahrheit“. Verdad heißt auch die Hauptperson in diesem Buch – eine junge Frau, die am spanischen Bürgerkrieg teilnimmt. Und damit beginnt auch dieses Album – mit einer Szene aus dem spanischen Bürgerkrieg. Verdad hat eine Spezialaufgabe bekommen, die nicht leicht zu lösen ist und zu Komplikationen führt. In Rückblenden erfährt der Leser, dass Verdad ohne Eltern bei ihrer Großmutter aufgewachsen ist, die über Verdads Mutter nur abwertend gesprochen hat.


Verdads Mutter hatte sich damals der Kommune am Monte Verità in der Schweiz angeschlossen. Die war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein beliebter Treffpunkt für Politfreaks, Künstler, Esoteriker und sonstige Menschen, die ein anderes Leben ausprobieren wollten. Ohne Kommerz, ohne Leistungsdruck, ohne Hierarchien. Manche gingen so weit, das sie sogar auf Kleidung verzichteten – selbst im Winter. Man konnte dort so ziemlich alle Leute treffen, die in intellektuellen Kreisen bekannt waren – von dem Anarchisten Bakunin über den Psychoanalytiker Otto Groß bis zu dem esoterisch angehauchten Schriftsteller Hermann Hesse. Verdad ist fasziniert von den Berichten über diese Kommune. Die Idee einer herrschaftsfreien Welt gefällt ihr gut – und genau das ist es, worum es im spanischen Bürgerkrieg geht.


In dem Album wechselt die Geschichte mehrmals die Zeitebenen. Wer sich gerne geradlinig durch eine Story führen lässt, ist hier nicht unbedingt an der richtigen Adresse. Ein bisschen mitdenken muss man schon. Das allerdings lohnt, denn die hellen Zeichnungen sind sehenswert. Vor allem die flirrenden Farben und die Übergänge in der Kolorierung, die gut zu der assoziativen Erzählweise passen, kommen prima.



Rezensiert von: Comickunst
Link: comickunst.wordpress.com/2017/11/03/verdad/