Undercover. Die Geschichte der britischen Geheimpolizei

Tierbefreiung Nr. 96, September 2017



Undercover. Die Geschichte der britischen Geheimpolizei


Unlängst ist endlich „Undercover“ von Rob Evans und Paul Lewis auf Deutsch erschienen. Die beiden Journalisten der Tageszeitung The Guardian haben in beeindruckender Weise die Geschichte verdeckter Ermittlungen in Großbritannien recherchiert.
Das Buch zeichnet eine fast unfassbare Geschichte von geheimen Polizeieinsätzen in politischen Bewegungen nach, die nicht nur an und jenseits der Grenze zur Legalität stattfanden, sondern klar an der Zementierung de autoritären, rassistischen und in vielen Fällen auch speziesistischen Normalzustandes arbeitete. Die Autoren gehen zurück bis in die späten 1960er Jahre und verfolgen die Entwicklung der für Untercover-Einsätze zuständigen Polizeieinheit Special Demonstration Quad anhand beispielhafter Charaktere und Einsätze bis Anfang der 2000er Jahre. Dabei wurden nicht nur antirassistische Kampagnengruppen und sozialistische Kriegsgegner_innen unterwandert, tatsächlich spielte aus sicherheitspolizeilicher Sicht die Tierrechtsbewegung eine derart maßgebliche Rolle, dass sie ein zentrales Ziel von Polizeiunterwanderung wurde und ihre Darstellung ein angemessener Raum in dem Buch zukommt. Neben Jagdsaboteur_innen und klassischen Tierschutz-Aktivist_innen wäre es auch Zellen der militanten Animal Liberation Fron (ALF), die verdeckte Polizeibeamt_innen in ihren Reihen hatten.
Das Buch ist spannend zu lesen, beschreibt die Aufdeckung und das Überlaufen einzelner verdeckter Ermitllter_innen, ist jedoch auf genannten Zeitraum in England beschränkt – die Erkenntnisse der Journalisten können also nicht einfach auf den deutschsprachigen Raum übertragen werden. Kleiner Minuspunkt der Veröffentlichung ist die Übersetzung: An manchen Stellen wirkt sie etwas holprig, einzelne Begriffe sind Wiener Slang, sie könnten für nicht-österreichisch sozialisierte Leser_innen etwas unklar sein. Abgesehen davon – klare Leseempfehlung!
Und vielleicht schon mal zum Üben: A Kibara is ka Habara!


Christof Mackinger



Rezensiert von: Christof Mackinger