Kommunist

P.S. | Die linke Zürcher Zeitung, 21.10.2016



Ende des II. Weltkrieges, der Erzähler war in deutscher Gefangenschaft und überlebte. Er ist Kommunist und kommt wieder nach Italien retour. Da sind immer noch zum grossen Teil die Faschisten an der Macht geblieben. Er findet in seiner Gegend keine Arbeit. Kommt nach Carbonia, einer am Reissbrett entworfenen Mono-Stadt auf Sardinien. Ziel ist es, die Kohlengewinnung hochzufahren. Hier arbeitet er unter miesen, gefährlichen Bedingungen. Dann wird rationalisiert, Leute sollen entlassen werden. Sie wehren sich mit Streiks, Sabotage undsoweiter. Nützt schlussendlich auch nicht viel. Er arbeitet als Elektriker, gründet eine Familie. Die Mietzinsen werden angehoben: Mieterkampf. Gemeinsam gelingt es, die Polizei zu übertölpeln – vorerst. Aber die PCI unter Berlinguer will Ruhe, um sich an der Macht zu beteiligen. Fazit des Erzählers: «Wir haben viele Kämpfe verloren... wir werden immer weiter kämpfen... weil es sind wir die gewinnen müssen am Ende». Schön wär’s.

Guter Einblick

Der Autor, lange im Exil, zählt in Italien zu den Chronologisten der «anni di piombo» (bleiernen Jahre) in Italien. Die Erzählung gibt einen guten Einblick in die Klassenkämpfe in Italien seit 1944 bis in die 80er-Jahre.

Nanni Balestrini: carbonia – Wir sind alle Kommunisten. Verlag bahoe books 2015, 86 Seiten, 11.90 Franken.

Rezensiert von: hk
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