Phoolan Devi

Comickunst Blog, 8. 6. 2020



Das ist, weil du ein Spitzel für die Polizei bist, sagt sie, und schneidet ihm die Nase ab. Das ist für alle Frauen, die du vergewaltigt hast, sagt sie, und schneidet ihm die Geschlechtsteile ab. Phoolan Devi setzt Zeichen, und die sind klar und deutlich.

Wie wird man zu einer Ausgestoßenen? Wie zur Banditin? In der Regel sucht man sich das nicht aus. Bei der 1965 geborenen Devi ist es die Enge des hinduistischen Kastensystems, das ihr als Mitglied der untersten Kaste keine Chance lässt, jemals zu irgend einer Art von Recht zu kommen. Und wenn sie noch so sehr erniedrigt, betrogen und geschlagen wird – es kümmert niemanden. Dazu kommt eine patriarchale Gesellschaftsstruktur, in der eine Frau wertlos ist und ein Mann mit ihr machen kann, was er will – Massenvergewaltigung inklusive. So wird Devi nicht zur Rebellin, weil sie ein politisches Programm verfolgt oder eine Oppositionspartei gründen will. Sie kann ja nicht mal lesen. Ihr geht es schlicht darum, als Mensch behandelt, nicht von jedem Arsch mit Schwanz missbraucht und nicht von jedem Amtsträger bestohlen werden zu können. So führt eins zum anderen, und irgendwann steht sie da, hat ein Gewehr in der Hand und befehligt eine Rebellentruppe.

Die Pariser Zeichnerin Claire Fauvel hat die Geschichte von Devi in ein Album gepackt, dessen Handlung sich an deren Autobiografie Ich war die Königin der Banditen orientiert. Eine ebenso finstere wie spannende Geschichte, die den Leser durch allerlei emotionale Turbulenzen jagt und prima gezeichnet ist. Und Einblick in eine gesellschaftliche Struktur gibt, die sich in vielen Bereichen Indiens bis heute nicht geändert hat.



Rezensiert von: Peter Hetzler
Link: comickunst.wordpress.com/2020/06/06/phoolan-devi/