Zeuge der Shoah

Hessische Lehrerzeitung, 25. 4. 2020



Abschließend ein Album, das zeigt, dass niemand gerne die Wahrheit hört und dass man sich auch unter den wid- rigsten Umständen wehren kann. Die Geschichte von Jan Karski (1914-2000) beispielsweise wollte niemand hören, Churchill nicht und Roosevelt auch nicht. Und als Karski sie ihnen trotzdem erzählte, wollten sie ihm nicht glauben. Sie waren nicht die Einzigen. Auch nachdem nach Kriegsende sämtliche Beweise vorlagen, wollten die Deutschen nicht glauben, dass Volk und Führer sechs Millionen Juden ermordet hatten. Es gibt Leute, die bestreiten das heute noch. Karski, gelernter Jurist und Diplomat, war ein polnischer Of zier zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Während des Kriegs schloss er sich der Widerstandsbewegung an. Die schleuste ihn illegal in das Warschauer Ghetto ein, damit er sich ein eigenes Bild von den Lebensbedingungen machen konnte, später auch in das Vernichtungslager Bełzec. Sein Auftrag war, das, was er mit eigenen Augen gesehen hatte, den Leitern der Anti-Hitler-Koalition in London und Washington mitzuteilen, um sie dazu zu bewegen, den Vernichtungsfeldzug gegen die Juden zu stoppen. In dem Album „Jan Karski“ erzählen Lelio Bonaccorso und Marco Rizzo seine Geschichte. Karski wurde mehrmals gefangen genommen und gefoltert, fand aber immer Wege, um weitermachen zu können. 1985 wurden seine Erlebnis- se in dem Film „Shoah“ dokumentiert. 1992 wurde er in die Liste der „Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen und zum Ehrenbürger Israels ernannt.



Rezensiert von: Peter Hetzler