Wie ein Spielfilm

Analyse&Kritik, Nr. 659, 21. 4. 2020



Die Graphic Novel »Angola Janga« ist ein dicker Wälzer. Auf über 400 Seiten erzählt Marcelo D’Salete einen Teil der international wenig bekannten Klassenkampfgeschichte der Quilombos Brasiliens. Der Titel ist der Name mehrerer Ortschaften, die von aus der Sklaverei entlaufenen Afrikaner*innen ab Ende des 16. Jahrhunderts in dem südamerikanischem Gebiet, welches von den portugiesischen Kolonialisten ab Anfang des 15. Jahrhunderts besetzt wurde, gegründet und knapp ein Jahrhundert bewohnt wurde.

In »Klein-Angola«, so die Übersetzung aus der Bantusprache Kimbundu, lebten von Ende des 16. Jahrhunderts bis 1695, geschützt im dichten Dschungel, schätzungsweise mehr als 20.000 Menschen unter afrikanischer Herrschaft: neben Afrikaner*innen auch Indigene und arme Weiße, die dem Militärdienst entflohen waren.

D’Salete beginnt die Geschichte um den »Mulatten« Soares kurz bevor Angola Janga von einer Armee aus teilweise zwangsrekrutierten Indigenen, Mestizos und weißen Portugiesen als Staat zerschlagen wurde. Die einleitenden historischen Zitate bereiten die Atmosphäre in jedem Kapitel der Graphic Novel, die mit sehr wenig Text auskommt, gelungen vor.

Die Bilder sind auf Details fokussiert und ganz in Schwarzweiß gehalten. Wie ein Spielfilm packt die Geschichte die lesende Person sofort – auch wenn die häufige Benennung des N-Wortes, gemäß dem Sprachgebrauch der Zeit, erst mal irritiert.



Rezensiert von: Eleonora Roldán Mendívil
Link: wirkommen.akweb.de/gesellschaft/wie-ein-spielfilm/