Ein Mahnmal wider das Vergessen.

Comixene, Nr. 132, Herbst 2019



Der italienische Schriftsteller und Chemiker Primo Levi gehörte zu den bekanntesten Zeugen und Überlebenden des Holocaust. Levi wurde 1943 von faschistischen Milizen aufgegriffen, zuerst kurze Zeit ins KZ Fossoli verschleppt und dann nach Auschwitz verlagert, wo er insgesamt 11 Monate verbringen sollte und nur durch Glück und Zufall überlebte. Diese Zeit verarbeitete er später in seinem 1947 erstmals erschienen Buch Ist das ein Mensch?, das mittlerweile als Klassiker der Weltliteratur gilt. Im Herbst 1987, wenige Monate vor seinem Tod, besuchte Levi die Volksschule in Turin, auf die er als Kind gegangen war, führte die Schüler in sein persönliches Drama ein und versuchte vor allem zu erklären, was der Holocaust war und wie er es schaffte, ihn zu überleben.

Die Italiener Matteo Mastragostino und Alessandro Ranghiasci haben aus dieser ergreifenden und zutiefst erschütternden Reise in die Vergangenheit eine in nervösen, unmittelbaren Schwarzweißbildern gekleidete Graphic Novel gemacht, die Levis Erlebnissen dieser Art komplett unberührten Generation kontrastiert. Das ist mitreißend, leidet aber gerade in den Szenen im Klassenzimmer auch etwas an manierierten Momenten, die die ehren- und unterstützenswerte Haltung der Geschichte leicht unterminieren.



Rezensiert von: Thorsten Hanisch