KZ Mauthausen: Kunst als Hilfe von Erinnerung und Wahrnehmung

Tiroler Tageszeitung, 6. 2. 2019



Wien/Mauthausen (APA) - Das Lager Mauthausen steht für die Hölle auf Erden. Hier und in seinen Außenlagern sind mindestens 90.000 Menschen zu Tode gekommen. Zwei sehr unterschiedliche künstlerische Projekte versuchen derzeit, die mahnende Erinnerung an die Geschehnisse wach zu halten - eine kürzlich auf Deutsch erschienene Graphic Novel und ein Fotoprojekt, das noch bis 2. März in der Galerie Michaela Stock zu sehen ist.

Der Spanier Jordi Peidro hat die Lebensgeschichte von Francisco Aura Boronat nachgezeichnet, einem von über 7.000 republikanischen Spaniern, die ins KZ Mauthausen gebracht wurden. 4.200 von ihnen wurden ermordet. Der kleine Wiener Verlag bahoe books, der eine engagierte Comic-Schiene betreibt, hat das Buch nun von Manfred Gmeiner übersetzen lassen. Ausgehend von der Gegenwart des fast 100-jährigen Überlebenden, tauchen die nüchternen Zeichnungen tief in die Erinnerungen des alten Mannes ein.

Kampf gegen die faschistischen Franco-Truppen, zwei Verwundungen, Flucht nach Frankreich, Internierung, Arbeitseinsatz an der Maginot-Linie, Abgewiesen-Werden an der Schweizer Grenze, Verhaftung durch deutsche Truppen und Deportation nach Mauthausen. Das ist die Vorgeschichte, der ebenso Raum gegeben wird wie der Befreiung und dem Danach. Im Zentrum steht aber das KZ, das sich kaum überleben ließ, wenn man nicht - etwa als Kapo - in irgendeiner Weise Teil des mörderischen Systems wurde. Auf der untersten Stufe wurde das Gewaltregime fast ausschließlich von Kriminellen ausgeübt, die lustvoll und ungestraft ihren niederen Instinkten freien Lauf lassen konnten, schildert Aura.

„Ich habe nicht überlebt, weil ich tapferer gewesen bin, sondern weil ich mehr Glück hatte“, zitiert Tochter Lucia Aura in einem Nachwort ihren Vater. Francisco Aura Boronat hat der Graphic Novel nach anfänglichem Zögern noch selbst zugestimmt - als ungewöhnliche Möglichkeit, so seinem mit den anderen Mauthausen-Überlebenden geleisteten Schwur, den Nachgeborenen von den gesehenen und erlittenen Gräuel zu berichten, nachzukommen. Fast hätte der letzte überlebende spanische Häftling von Mauthausen noch seinen 100. Geburtstag erlebt. Nur einen Monat davor starb er im November des Vorjahres.

Einem spanischen Mithäftling ist im Juni eine weitere Graphic Novel von bahoe books gewidmet: Francisco Boix war „Der Photograph von Mauthausen“ und auf offizieller Seite für den Erkennungsdienst tätig. Illegal konnte er während seiner Lagerhaft zehntausende Fotos aus dem Lager schmuggeln. Viele seiner Aufnahmen dienten später zur Verurteilung der Täter.



Rezensiert von: (APA)
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