Grauzone

Bodo Straßenzeitung, Oktober 2018



„Solange man den Krieg aus der Ferne beobachtet, ist die Lage eindeutig.“ So leitet Jutta Sommerbauer, Moskau-Korrespondentin der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ den Bild- und Reportageband „Grauzone“ ein, für den sie mit dem Fotografen Florian Rainer „eine Reise zwischen den Fronten im Donbass“ unternahm. Und gerade für den erstarrten Krieg in der Ukraine, an der Bruchkante zwischen europäischem und russischem Einflussgebiet, sind die Meinungen umso fester, je ferner man dem Geschehen ist.

In der „Grauzone“ ist die große Politik meist weit weg. Stattdessen ist das Gemüse zwangsläufig bio. Der HipHop „real“, die Schikanen an den Checkpoints nervenraubend, Privatpartys wieder in und die Tristesse mit Händen zu greifen. Hier weiß man, sich auf den Boden zu werfen und den Mund zu öffnen, wenn Granaten kommen. Die Jungen wollen weg, die Alten können nicht. Überzeugte Ukrainer oder überzeugte Russen sind so selten wie die Hoffnung auf Besserung.

Ein liebevoll gemachter Band mit fantastischer Reportagefotografie und Texten, die vielleicht nicht den Konflikt erklären, aber ein Gefühl geben vom Leben in einem Krieg, der vergessen hat, zu enden.



Rezensiert von: Bastian Pütter
Link: issuu.com/bodoev/docs/bodo_10.18/36