Stadtguerilla

Analyse & Kritik, Juni 2019



Dimitris Koufontinas war der Gründer der Bewegung 17. November, einer kommunistischen Guerilla in Griechenland. Über Jahre übernahm sie für viele Anschläge die Verantwortung, ohne dass die Ermittlungsbehörden ihr auf die Spur kamen. Bis zum 29. Juni 2002. An diesem Tag wurde Savvas Xiros lebensgefährlich verletzt, als er aus Solidarität mit streikenden Hafenarbeiter*innen im Hafengelände von Athen eine Bombe platzieren wollte. Er wurde unter schwere Medikamente gesetzt und verhört, so dass die Ermittlungsbehörden an Namen und Strukturen der Organisation kamen. Koufontinas konnte dann untertauchen und beobachtete, wie immer mehr Gruppenmitglieder verhaftet wurden, Aussagen machten und sich von der Gruppe distanzierten. Das war der Grund für ihn, sich der Justiz zu stellen und die politische Verantwortung zu übernehmen. Mit dem Buch legt er einen politischen Rechenschaftsbericht ab, der auch Leser*innen beeindruckt, die mit den politischen Prämissen des Schreibers nicht übereinstimmen. Koufontinas gibt einen subjektiven Rückblick auf seine politische Sozialisation. Der 1968er Aufbruch kulminiert in Griechenland in dem blutig niedergeschlagenen Aufstand an der Athener Universität am 17. November 1973. Das Datum gab der Guerillagruppe ihren Namen. Das Buch sollte als Einladung zur kritischen Debatte verstanden werden in einer Zeit, in der selbst in sich links verstehenden Medien der Terrorismusbegriff gegenüber militanten Linken oft kritiklos verwendet wird.



Rezensiert von: Peter Nowak
Link: www.akweb.de//ak_s/ak650/04.htm