Unterdrückung, Intrigen, Buschkrieg

Badische Zeitung, 4. 6. 2019



"Der Hund wedelt mit dem Schwanz, doch plötzlich beißt er..." Tata mahnt zur Vorsicht, als ihm Zona vom Friedensangebot der Portugiesen erzählt, die im 17. Jahrhundert über Brasilien herrschen. Für die Kolonialherren müssen afrikanische Sklaven Zuckerrohr anbauen. Wie Tata und Zona fliehen Tausende von den Plantagen. Sie gründen Quilombos, freie Siedlungen in den Wäldern von Palmares im Nordosten des Landes. Nach einem ihrer Herkunftsländer trägt das Gebiet bald den Namen Angola Janga, Klein-Angola. Mehrfach scheitern die Portugiesen, es zu erobern. Schließlich unterbreiten sie den Geflohenen ein Abkommen. Können die Palmaristas ihnen trauen?

Der afrobrasilianische Künstler Marcelo D’Salete wertet das portugiesische Angebot als Versuch der Spaltung. In seiner neuen Graphic Novel "Angola Janga" erzählt er, wie sich in Palmares zwei Lager bilden: Zumbi, ein Anführer, und seine Gefährten lehnen den Vertrag ab. Aus Misstrauen, aber auch weil er nicht ihnen allen Freiheit gewähren würde. Ganga Zumba, der König von Angola Janga, ist des Kämpfens und Fliehens müde. Er geht 1678 für seinen Quilombo Cacaú auf den Vorschlag der Portugiesen ein. Unter den Palmaristas wachsen die Spannungen.

Rassismus gilt in Brasilien als weitverbreitet

D’Salete, geboren 1979, gehört zu den bedeutendsten brasilianischen Comicautoren. Der Illustrator und Kunstlehrer hat in São Paulo Grafikdesign, Bildende Künste und Kunstgeschichte studiert. Sein erster Comic erschien 2008. Schon darin befasst er sich mit der Sklaverei in Brasilien. Dort leben heute mehr Menschen afrikanischer Abstammung als in jedem anderen Land außerhalb Afrikas – über 50 Millionen. Rassismus gilt dennoch als weit verbreitet. Die Mehrheit der Afrobrasilianer fristet ein Dasein in Armut. D’Saletes Werk beschreibt einen Teil ihrer Geschichte, hauptsächlich aus Sicht ihrer Vorfahren. Auf Deutsch war bisher nur die Graphic Novel "Cumbe" erhältlich. Die englischsprachige Ausgabe erhielt 2018 einen Eisner Award, einen der wichtigsten US-Comic-Preise.

Auch in "Angola Janga" sorgt D’Saletes schwarzweiße, naive Grafik mit schöner Bildsprache für dichte, oft unheilvolle Stimmung. Für das Epos hat der Künstler elf Jahre zum Freiheitskampf der Palmaristas recherchiert. Viele Akteure treten auf. Ihre Geschichten führen durch die Handlung. Ebenso zwingen viele Rückblenden gelegentlich zum Zurückblättern, um den Überblick zu wahren. Dabei helfen noch Einschübe historischer Quellen und der ausführliche Anhang. Trotz der komplexen Erzählweise packt die intensive, bedrückende Story um Unterdrückung, Intrigen und Buschkrieg. Freiheit ist kein Selbstläufer.



Rezensiert von: Jürgen Schickinger
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