Zenobia

Neues Deutschland, 1./2. 6. 2019



Einen ganz anderen Zugang zur Gedanken- und Gefühlswelt von Kindern eröffnet die preisgekrönte Bildgeschichte »Zenobia« der dänischen Autoren Morten Dürr und Lars Horneman. Ein namenloses Mädchen wird auf ein überladenes Flüchtlingsschiff gebracht, um dem Krieg zu entkommen. Bei einem Sturm geht das Mädchen über Bord und versinkt im Meer. Bilder schießen ihr durch den Kopf, von der Mutter, mit der sie Verstecken spielt, die ihr das Kochen beibringt und von Zenobia erzählt, an der sie sich ein Beispiel nehmen soll. Zenobia ist eine altsyrische Kriegerkönigin, die vor nichts und niemandem Angst hat und sich in der Männerwelt behauptet. Die Eltern gehen in die Stadt – und werden nicht zurückkehren, der Onkel flieht mit dem Mädchen aus dem Kriegsgebiet. Für beide reicht das Geld für die Überfahrt nicht, so trennen sie sich. In ruhigen, meist zweifarbigen Bildern und sparsamem Text wird die Geschichte des Mädchens erzählt, ohne Effekthascherei und deshalb umso eindringlicher. Poetischer und einfühlender kann man Kindern die realen Schrecken von Krieg, Flucht und Vertreibung nicht vermitteln. Die Geschichte wirkt lange nach und ist als ein Baustein zur Herzensbildung (frei nach Goethe) unbedingt zu empfehlen.



Rezensiert von: Mario Pschera
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