Schneckenglück

Neues Deutschland, 1./2. 6. 2019



Der Wiener Politikwissenschaftler und Sozial- und Kulturanthropologe Thomas Schmidinger ist vor allem als Sachbuchautor (»Der Kampf um den Berg der Kurden«, »Kosovo. Die Entstehung eines Parastaates«) bekannt geworden. In »Schlingelschleim und Schleimdaheim« erzählt er eine schöne Geschichte von einer Braunschneckenfamilie, die im Komposthaufen von Bäuerin Gertrude wohnt. Schnecken können bekanntlich das Geschlecht wechseln und so ist es für die Schneckenkinder ein besonderer Spaß, sich jeden Tag einen neuen Jungs- oder Mädchenvornamen zu geben. Salatköpfe anfressen macht auch Spaß, nur Bäuerin Gertrude platzt der Kragen, also kauft sie vier Enten. Jetzt wird es gefährlich für Schneckenkind Luca, das sich mit knapper Not in das Haus der Gehäuseschnecke Pulpo retten kann. Prompt verlieben sich die bei- den ineinander, Papamama Schneck jedoch ist empört: Nacktschnecken und Gehäuseschnecken gehören nicht zusammen. Aber irgendwann begreift er/sie, dass Vorurteile nicht nur dumm, sondern auch gefährlich sind, besonders, wenn es die Ente auf einen abgesehen hat.



Rezensiert von: Mario Pschera
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