Peršmanhof. 25. April 1945

Missy Magazine, 03/19



Frühjahr 1945. Es sind die letzten Kriegstage in Europa, kurz vor der Befreiung durch die Alliierten und der Kapitulation Nazi-Deutschlands. In dieser "Endphase" intensiviert sich noch einmal die Gewalt, werden von NS-Truppen und Wehrverbänden brutalste Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begangen. Die Graphic Novel "Peršmanhof. 25. April 1945" erinnert an das Massaker am gleichnamigen Bauernhof in Kärnten/Koroška, als elf Menschen, darunter sieben Kinder, vom Bataillon eines SS- und Polizeiregiments ermordet werden.

Zuvor finden sich an jenem Tag etliche Partisan*innen am Peršmanhof ein, der ein wichtiger Stützpunkt des antifaschistischen Widerstands im Süden Österreichs ist. Der Sieg über die Nazis ist zum Greifen nah, voller Vorfreude wird ein großes Fest vorbereitet. Am Hof, bewirtschaftet von den Familien Sadovnik und Kogoj, leben vor allem Frauen und Kinder, die die Partisan*innen unterstützen – Ana Sadovnik, genannt Anci, damals zehn Jahre alt, ist eine von ihnen. Sie steht im Mittelpunkt dieses Comics, der nicht nur von den erschütternden Ereignissen von damals, sondern auch vom Überleben und schwierigen Weiterleben in einer Gesellschaft erzählt, die sich bis heute im Vergessen der NS-Vergangenheit übt.

Das Peršman-Verbrechen, das symbolisch für die Unterdrückung und Verfolgung der Minderheit der kärntner-slowenischen Bevölkerung steht, blieb ungesühnt: 1949 wurde das Verfahren gegen die Beschuldigten eingestellt, zu einer Anklage kam es nie. Heute ist der Peršmanhof Museum und Gedenkstätte. Mit dem Comic wird seinen einstigen Bewohner*innen ein berührendes zeichnerisches Denkmal gesetzt.



Rezensiert von: Vina Yun
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