Bunte Vielfalt

Kreuzer, 3/2019



Gender mal anders: Thomas Schmidingers Nacktschnecken-Geschichte.

Luca Schlingelschleim heißt die kleine Nacktschnecke, die mit ihren Eltern und den sieben Geschwistern auf dem Komposthaufen am Rande eines Bauernhofs wohnt. Ein guter Namen, kann er doch genauso gut zu einem Jungen wie zu einem Mädchen gehören. Genaugenommen ist Luca nämlich beides.
Mal so und mal so. So wie seine Geschwister mal Peter und mal Petra oder mal Hermann und mal Hermine sind. Und Papa und Mama hier immer nur Papamama und Mamapapa heißen. Es ist sehr konsequent, wie Thomas Schmidinger die Eindeutigkeit des Gerschlechts seiner Protagonisten verweigert. Und überraschend, wie wenig das beim Lesen irritiert. Einerseits hat das sicherlich mit der ruhigen Art und der wunderbaren Sprache zu tun, in der Schmidinger seine Geschichte über Luca und ihre große Liebe, die Häuserschnecke Pulpo Schlingelschleim erzählt. Andererseits ist es auch bedingt durch die Illustrationen von Afnan Al-Jaderi. In großen Farbflächen erschafft sie eine Welt, in der man sich gerne verliert. Eine Welt der liebevollen Details und kleinen Schneckenfiguren. Zum Vorlesen und Selberlesen geeignet, führt „Schlingelschleim und Schleimdaheim“ Kinder auf sensible Art und Weise an Geschlechterfragen heran.
Gleichzeitig ist es ein Buch, das von Ausgrenzungen erzählt. Davon, was es heißt, anders zu sein und sich dessen nicht zu schämen. Vielfalt tut in jeder Hinsicht gut, könnte das Motto dieses Buches lauten. Da stört es auch nicht weiter. Dass das Ende der Geschichte etwas abrupt kommt. Wer möchte schließlich schon, dass gute Geschichten enden.



Rezensiert von: Josef Braun
Link: kreuzer-leipzig.de/