Die Anarchistin und die Menschenfresser

Wir Frauen, 1/2019, Jahrgang 38



Kaum einer Vertreterin der französischen Frauen- und Arbeiter*innenbewegung sind in Europa so viele Biografien und Romane gewidmet worden wie der Kommunardin Louise Michel. Die Vielseitigkeit, die Leidenschaft und die Unerschrockenheit der revolutionären Intellektuellen und sozialistischen Aktivistin faszinieren. Nun schildert die jahrzehntelange Redakteurin der österreichischen AUF-Zeitschrift in einem Ich-Monolog die Entwicklungsstationen ihrer Heldin: Die alte Louise Michel erinnert sich an ihre freie Kindheit. an die Kämpfe der Pariser Commune, an die Deportation nach Neukaledonien und ihr Leben danach als Autorin, Rednerin und Inhaftierte. Die Erzählung – abgesehen von den Abschnitten und einfühlsam übersetzten Gedichten über Neukaledonien – bringt zwar kaum mehr als das, was bereits in Michels Memoiren und Büchern steht, aber sie ist spannend und schön geschrieben und führt uns erneut in die Aktualität der feministischen Kämpfe für eine gerechte Welt vor Augen. "Man hat am Ende dieses Buches ein bisschen weniger Fortschrittsstolz und wein wenig mehr Zukunftshoffnung", schreibt Ruth Klüger im Vorwort.



Rezensiert von: Florence Hervé
Link: wirfrauen.de/