Die Mexikaner

Alfonz – Der Comicreporter, 1/2019



Das Wissen über die Geschichte der benachbarten Alpenrepublik Österreich und ihres Vorläufers, der glanzvollen k.u.k. Monarchie, ist hierzulande im Allgemeinen gering und vor allem durch Sissi- und Heimatfilme geprägt. Ein besonderes Kapitel, das unglückliche Übersee-Abenteuer des sentimental-tragischen Erzherzogs Ferdinand Maximilian, der Kaiser von Mexiko werden wollte, ist den Generationen, die noch mit Karl May aufwuchsen, aus dem Buch Der sterbende Kaiser gut bekannt. Zwei Slowenen haben sich dieses Sujets angenommen, die fünfteilige Geschichte von 2006 bis 2016 in epischer Breite erzählt und damit das umfangreichste Comicprojekt ihres Landes geschaffen: span class="fett">Marijan Pušavec (geb. 1962), Kurzgeschichtenautor und Szenarist, und span class="fett">Zoran Smiljanić (geb. 1961, Pseudonym: Vittorio de la Croce), Illustrator, Karikaturist und Grafikdesigner. Das die von Erwin Köstler aus dem slowenischen übertragene Graphic Novel in Wien erscheint, leuchtet ein.

Der erste Band mit dem Titel „Miramare“ liegt nun vor. So hieß das Schloss bei Triest, auf dem Maximilian dem Drängen seiner ehrgeizigen Gattin nachgab, sich vor den festgefahrenen Karren des französischen Kaisers Napoleon III. Spannen zu lassen, um ihn aus dem Dreck zu ziehen. Denn die europäischen Expansionsgelüste waren auf großen Widerstand der einheimischen Bevölkerung gestoßen. Kaiser Maximilian bezahlte das bekanntlich mit seinem Leben.

Die Meksikajnarji, Mexikaner, nannte man die einigen hundert Mann umfassende Gruppe im 6000 Freiwillige starken Heer des künftigen Kaisers. Hier kommt die slowenische Sicht ins Spiel, denn die Expedition 1864–1867 wird aus Sicht des Bauernsohnes und späteren Studenten Anton Brus geschildert, eines eher leichtfertigen jungen Mannes, der Maximilian immer wieder kontrastierend gegenübergestellt wird – wie schon ganz am Anfang der Graphic Novel.



Rezensiert von: Stefan Schmatz
Link: www.reddition.de/index.php/alfonz