„In dieser Umgebung existierte kein Weinen.“

FM4, 13.1.2019



Die Graphic Novel „Mauthausen“ erzählt die Geschichte des Spaniers Paco Aura, der vier Jahre lang im Konzentrationslager Mauthausen war und überlebt hat.

Paco Aura wurde 1918 im spanischen Alcoy geboren. Er war 18 Jahre alt, als er sich den republikanischen Kräften anschloss und mit ihnen gegen die faschistischen Franco-Truppen sowie deren Verbündete aus Italien und Deutschland kämpfte. Diese Entscheidung prägte sein weiteres Leben wie keine andere.

Nach der Niederlage floh er nach Frankreich und kämpfte dort für die französische Armee. Doch dann wurde er als Kriegsgefangener nach Mauthausen deportiert. Dort blieb er 4 Jahre und 9 Tage.

„In dieser Umgebung existierte kein Weinen und Lächern war noch viel schlimmer. Es bedeutete eine Beleidigung der Schergen und beschleunigte den Tod. Nach vier Jahren und 9 Tagen ohne zu lächeln, war es, als ob dieser Ausdruck zu existieren aufgehört hätte.“

Können Bilder diesen Geschehnissen gerecht werden?

Der Autor Jordi Peidro gibt der Lebensgeschichte des Spaniers mit der Graphic Novel „Mauthausen“ einen möglicherweise ungewöhnlichen Rahmen. Man könnte meinen, keine Bilder können diesen Geschehnissen gerecht werden. Jordi Peidro gelingt es jedoch. Er verwendet in seinen Zeichnungen viele Braun- und Rottöne. Dunkle Flächen und schwarze Umrandungen und Striche ziehen sich durch das ganze Buch.

Die Hauptperson Paco Aura schildert in dem Buch „Mauthausen“ viele kleine Szenen aus dem Lager-Alltag. Er nimmt einen mit in eine Welt, in die man eigentlich lieber nicht eintauchen möchte:

„Niemand rührte einen Finger, niemand war mutig. Alles Feiglinge, wir waren keine Menschen mehr, uns beherrschte der Terror. Noch heute, wenn mir diese Geschichte einfällt, bereue ich meine Passivität, dass ich nicht reagiert habe. Obwohl ich weiß, dass es Selbstmord gewesen wäre.“

Die Bilder in der Graphic Novel „Mauthausen“ bleiben düster und dunkel auch als Paco Aura nach über vier Jahren im Konzentrationslager die Befreiung Mauthausens miterlebt:

„Die Befreiung war eigenartig. Wir wollten nicht hinaus, weil wir niemandem trauten. Wir wussten nicht, was hinter den Stacheldrähten und Mauern vor sich ging. Ich erinnere mich weder an Freude noch Fahnen, keine Lobgesänge oder Überraschungen, genaugenommen erinnere ich mich kaum an diesen Tag.“

Niemals vergessen

Paco Aura hat er es sich zu seiner Lebensaufgabe gemacht, über das, was er erlebt hat, zu sprechen. 7.000 Spanier sind in Mauthausen gestorben.

Viele sogenannte „Rot-Spanier“ flohen - so wie Paco Aura - nach dem Spanischen Bürgerkrieg nach Frankreich, weil sie die Verfolgung durch die Faschisten unter der Führung Francisco Francos fürchteten. In Frankreich beteiligten sie sich an der Résistance und wurden von deutschen Besatzungstruppen aufgegriffen und in Konzentrationslager deportiert.

Paco Aura war einer der wenigen, die überlebt haben. Er erzählte seine Geschichte und organisiert bis ins hohe Alter Konferenzen und Vorträge, denn er möchte verhindern, dass seine Geschichte - stellvertretend für die von so vielen - vergessen wird.



Rezensiert von: Sophie Liebhart
Link: fm4.orf.at/stories/2958131/