Zwischen den Fronten

Stuttgarter Zeitung, 10.12.2018



Ostukraine, im Jahr 2018: Der Donbass ist ein Industriegebiet, das zum Kriegsgebiet geworden ist. Die Frontlinie spaltet Familien, Freundschaften und bisweilen ganze Städte. Der Fotograf Florian Rainer und die Journalistin Jutta Sommerbauer dokumentieren den Alltag in der "Grauen Zone", dem Gebiet zwischen den Fronten.

450 Kilometer ist die Frontlinie in der Ostukraine. Ein normales Leben ist unmöglich, und doch wohnen dort weiter Menschen. Der schmale Streifen zwischen den festgefahrenen Stellungen wird von den Bewohnern "Graue Zone" genannt. Dort leben die Menschen, ohne zu wissen, was der nächste Tag bringen wird. Der Fotograf Florian Rainer und die Journalistin Juttta Sommerbauer haben sich auf den Weg ins Kriegsgebiet gemacht. Ihre erste Erfahrung: Solange man den Konflikt aus der Ferne betrachtet, ist die LAge eindeutig. Die Ukraine verteidigt im Donbass die Freiheit Europas – das ist die europäische Sicht.

Die Separatisten behaupten, gegen eine angeblich faschistische Bedrohung durch die Regierung in Kiew zu kämpfen – das ist die russische Sicht. Doch je näher man dem Konflikt kommt, desto unübersichtlicher wird die Lage. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und dazwischen steehen die Menschen, die jeden Tag mit stoischem Willen ums Überleben kämpfen müssen. In ihrem Buch "GRauzone" beschreiben die beiden Autoren das gan alltägliche Leben im Kriegsgebiet. Jenseits der immer wieder reproduzierten Klischees wird erfahrbar, was die Menschen antreibt.Improvisation, STillstand und Ungewissheit, Angst und Melancholie bestimmen das Leben, aber auch menschliches Durchhaltevermögen und verhaltene Hoffnung, die sich meist aus den kleinen Dingen des Alltags speist.





Rezensiert von: Knut Krohn
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