Max und Tone in Mexiko.

Augustin, Nr. 468, 8.10.2018



Meksikajnarji, die Mexikaner, nannte man in Slowenien jene Männer, die sich freiwillig gemeldet hatten, den Kaiserbruder Maximilian als Soldaten nach Mexiko zu begleiten.

6000 Mann hatte Franz Joseph seinem Bruder zur Unterstützung seiner politischen Ambitionen in Mittelamerika zugestanden. Viel zu wenig, um militärisch etwas ausrichten zu können, das wusste auch der etwas weltfremde Maximilian. Dennoch begab er sich mit seiner kleinen Armee nach Mexiko. Dass das «mexikanische Abenteuer» für Maximilian nicht gut ausging, ist bekannt. Aber auch die Soldaten, die sich für den sechs Jahre dauernden Militärdienst in Übersee verpflichtet hatten, fanden wohl kaum, was sie erhofft hatten. Einige hundert der Freiwilligen stammten aus Slowenien, über ihre Schicksale ist wenig bekannt. Zoran Smiljanić und Marijan Pušavec erzählen in ihrer Graphic Novel Die Mexikaner, wie es einem jungen slowenischen Burschen in Maximilians Armee ergangen sein könnte. Die in fünf Teilen angelegte Comic-Serie begleitet den fiktiven Bauernsohn Anton «Tone» Brus, einen jener Meksikajnarji, und stellen seiner Biografie jene Maximilians entgegen. Die Form des Comics ermöglicht es, Episoden aus dem Leben beider Männer unmittelbar gegenüberzustellen. Auf der einen Seite Tone, ein kluger Kopf, den der Vater in Wien studieren lässt, zugleich ein Leichtfuß, der gern beim Feiern die Lernerei und familiäre Verpflichtungen vergisst. Auf der anderen Seite der sensible Habsburger-Prinz, dem als Zweitgeborenem wenig zugetraut wird. Ehrgeiz und Idealismus und nicht zuletzt die schmeichelnden Worte Napoleons III. und der Wunsch Franz Joseph zu beweisen, dass er Politik kann, verleiten ihn nach Mexiko zu gehen. Dabei wird Maximilians Welt in satten Farben, Tones in erdigen Tönen gezeichnet, vielleicht ein bisschen Sissi-Film-Ästhetik versus Heimatfilm-Melodrama. Im Vorwort verrät Marijan Pušavec, dass sein und Zoran Smiljanić´ Mexiko-Traumbild u. a. stark von Karl-May-Filmen geprägt ist, weitere Film-Einflüsse anzunehmen ist also nicht ganz abwegig. Die Fortsetzung darf jedenfalls mit Spannung erwartet werden.



Rezensiert von: Jenny Legenstein
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