Amina ertrinkt.

Kolibri, Nr. 25, 31.5.2018



Amina ertrinkt. Das völlig überfüllte Flüchtlingsboot, in dem sie eben noch sass, ist gekentert und hat seine Passagiere ins Mittelmeer geschleudert. In der scheinbaren Leere des Wassers kehren Aminas Gedanken zurück nach Syrien zu ihren Eltern. Sie erinnert sich an Szenen ihres Lebens und daran, wie plötzlich alles vorbei war. Und sie erinnert sich an Zenobia, die mutige Herrscherin von Palmyra, von der ihr die Mutter immer wieder erzählt hat und deren Furchtlosigkeit sie bewunderte.

Auch Zenobia hatte sich vor langer Zeit von Syrien nach Europa aufgemacht. In ihrem Fall ist nicht ganz klar, ob sie Rom erreichte oder ob auch sie den Weg über das Mittelmeer nicht schaffte. Das riesige Wrack der schwedischen Fähre Zenobia, zu dem Amina hinabsinkt, liegt hingegentatsächlich auf dem Meeresgrund vor Zypern.

Morten Dürr und Lars Hornemann erzählen in spärlichen Worten und in klaren Bildern ruhig und eindringlich eine (Schreckens-)Geschichte unserer Gegenwart, die zynischerweise schon einahe alltäglich geworden ist. Die Stille, die Amina in den letzten Minuten ihres Lebens umgibt, erfasst auch die Leserin, den Leser. Plötzlich ist das Blau des Meeres unheimlich nahe, angenehm warm ist die sandfarbene Erinnerung an den Spass beim Versteckenspielen mit der Mutter und tröstlich der Mut von Aminas Heldin, Königin Zenobia. Eine beklemmende, eindrückliche Graphic Novel, die aufrüttelt.





Rezensiert von: Cyrilla Gadient
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