Ein inspirierendes Buch.

AEP Informationen, Nr. 3, 22. 8. 2018, S. 56



Das Buch thematisiert gesellschaftliche bzw. politische Konfliktlinien, die immer und zu jeder Zeit aktuell waren und in der letzten Zeit vielleicht wieder von ganz besonderer Relevanz sind. Es geht um geschlechtsspezifische Identitätszuschreibungen und -zumutungen. Um Konflikte zwischen Nationalstaaten, um Verschärfung von Überwachung, schlechtere Löhne für Frauen, globale Ausbeutung, um politische Überzeugungen und um die Selbstverortung zwischen Freund*innen, Familie und Gesellschaft. Und um menschliche Gräueltaten, die man sich nicht vorstellen mag, aber vermutlich muss. Im Sinne einer besonderen Bewusstseinsbildung empfiehlt es sich daher, beim Lesen gelegentlich innezuhalten, um sich die heutige Situation vor Augen zu führen. Zitat: „Die Lügen waren so dick, dass sie nur Hohn hervorriefen.“ (S. 113) Innehalten muss man beim Lesen sowieso, um im Nachschlagwerk der Wahl das ein oder andere historische Ereignis nachzulesen. Solche führt Eva Geber nämlich ebenso selbstverständlich ein wie Personen – als würden die geneigten Leser*innen die Epoche ohnehin kennen.

Eva Geber hat ein inspirierendes Buch über ein bewegtes Leben verfasst und Louise Michels fiktivem Monolog über ihr Leben und ihren Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Freiheit – für alle Geschlechter, alle Menschen, gleich welcher Herkunft, ja auch für die Tiere – zugehört und ihn entlang der historischen Tatsachen aufgezeichnet. Ein sehr bereicherndes, lesenswertes Buch und um es mit den Worten von Ruth Klüger (Vorwort) zu sagen, „hat man am Ende dieses Buches ein bisschen weniger Fortschrittsstolz und ein wenig mehr Zukunftshoffnung.“



Rezensiert von: Isabelle Hafele
Link: www.aep.at