Tagebuch der Höllevon Jan Valtin

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Neuauflage
13 x 21 cm | Klappenbroschur
592 Seiten | € 16,90
ISBN 978-3-903022-25-6
Erschienen im Februar 2016
Jan Valtin

Tagebuch der Hölle



Tagebuch der Hölle erzählt in autobiographischen Zügen die Geschichte der Komintern (1919–1943), der sowjetisch dominierten Nachfolgeorganisation der 1. Internationale und gehört zu den grossartigsten Schriften einer verlorenen Generation europäischer Revolutionäre. Jan Valtin interessiert sich schon in jungen Jahren für Politik und nimmt 1923 aktiv am Hamburger Aufstand teil. Danach reist er als agitierender Seemann auf den Weltmeeren und unterzieht sich 1925 einer Kaderschulung in Leningrad. Als Agent der Komintern koordiniert er weltweit Gewerkschaften der Matrosen und Seemänner. In der damaligen Zeiten vor der Erfindung des Luftverkehrs und des Internets ein Schlüsselfaktor zum Transport von Nachrichten, Propaganda, Waffen und Personen. Er übernimmt Aufträge zur Disziplinierung abtrünniger Parteigruppen und anderer Feinde der Sowjetunion und sitzt in der USA drei Jahre wegen Mordversuch im Gefängnis. Als er Anfangs der 1930er Jahre nach Deutschland zurückkehrt geht der Wirbel aber erst richtig los. Ein extrem mitreissendes und aufschlussreiches Zeitdokument über die Skrupellosigkeit und Unfähigkeit der Komintern, die zum Auslandsgeheimdienst der jungen UdSSR degradiert wurde. Ein Buch über den Aufstieg und den Machterhalt der NSDAP und über die Unfähigkeit der gesamten deutschen Linken etwas dagegen zu unternehmen. Ein herzzereissendes Epos, dass zeigt wohin die Abgabe politischer Verantwortung und Selbstständigkeit an eine zentrale Parteiinstanz führen kann und damit ein anti-autoritäres Buch im besten Sinne.

Eine kleine Randnotiz:
Ruth Fischers Intervention
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Wegen diesem Absatz aus der amerikanischen Originalausgabe von 1940 klagte Ruth Fischer den Herausgeber. Das Buch musste daraufhin ohne dem Absatz neu gedruckt werden. Wir haben den Absatz gefunden, und hier zum ersten Mal übersetzt:

Im Kapitel: Hast du jemals einen Menschen getötet?
S. 49, vorletzter Absatz:
Lu, die Luise Schneller hiess, war vierschrötig und hartgesotten; sie erzählte, dass Ruth Fischer, eine Führerin der Partei, sie mit einem Wunsch angesprochen hat: Eine T-Einheit sollte einem Kollegen und Rivalen von ihr, dem „fetten Brandler“, eine ordentliche Tracht Prügel verpassen. Ruth Fischer hatte Lu sogar die Adresse von Brandlers geheimen Treffpunkten gegeben. Für mich war das das erste Anzeichen erbitterter Eifersucht und Rivalität unter den Anführern, deren Wort für das Fussvolk wie ein Gesetz war.

Lange nach Mitternacht...



Rezension(en):

Tagebuch der Hölle - Black Mosquito, 16.08.2016
Im Eiswind des 20. Jahrhunderts - Wiener Zeitung - Bücher aktuell, 30.07.2016
Revolution Wozu? - Ein kritischer Kommentar zu Jan Valtins Buch Tagebuch der Hölle - Living Marxism, Bd. 5, Nr. 4